Tödlicher Nil

1.

Er saß auf dem Sonnendeck des Schiffes und ließ seinen Blick über das schwarze Wasser des Nils schweifen. Die Sonne hatte sich schon vor einer halben Stunde hinter den Horizont verabschiedet. Eine leichte Brise zog zwischen den verlassenen Stühlen hindurch und machte die noch immer drückende Hitze halbwegs erträglich.

Mit einem leisen Seufzer ließ er sich in den Stuhl sinken und zündete sich eine Zigarette an. Er genoss die Ruhe. Zwei Decks weiter unten fand gerade die „Raubtierfütterung“, wie er die allabendliche Abspeisung der Pauschaltouristen nannte, statt. Er konnte beinahe bildlich vor sich sehen, wie die weißbauchigen Deutschen, Holländer und Franzosen sich um die panierten Schnitzel „Wiener Art“ scharten und versuchten, als erste eine möglichst große Portion auf ihre schon mit allerlei Beilagen angefüllten Teller zu bekommen.

Noch vor wenigen Tagen wäre es ihm nicht ansatzweise in den Sinn gekommen, dass er sich so kurzfristig auf einer Nilkreuzfahrt wiederfinden würde. Am Dienstag hatte ihn ein Bote beinahe mitten in der Nacht, so gegen 13.00 Uhr, aus dem Schlaf gerissen. In dem versiegelten Umschlag fand er die Tickets für den einwöchigen Trip und eine Notiz, auf der stand „Aufenthalt erst gestern geplant“, was hieß, dass die Zielperson erst tags zuvor ihre Reise gebucht hatte. Sonst nichts. Doch er wusste auch so, was sein Auftraggeber von ihm erwartete. Also hatte er seine Sachen gepackt, seine Penthouse-Wohnung in der Hamburger Innenstadt von allem befreit, was in seiner Abwesenheit ein Eigenleben hätte entwickeln können, und war zum Flughafen gefahren. Jetzt saß er hier, blickte gelegentlich auf sein Handy und wartete darauf, dass der Auftraggeber ihm das Foto des Opfers per MMS schickte.

Zwei Tage war er nun schon auf diesem etwas heruntergekommenen Dampfer, und nutze die Zeit, sich die anderen Reiseteilnehmer anzusehen. Es konnte nicht schaden, wenn er möglichst viele der anderen Touristen frühzeitig einzuschätzen lernte. Schnell hatte er festgestellt, dass die Anwesenden stark von dem üblichen Schema abwichen. Gewöhnlich setzte ihn die Firma auf wichtige oder einflussreiche Persönlichkeiten an. Politiker, Wissenschaftler, Wirtschaftsbosse, Verbrecher, Künstler, Sportler oder ihre näheren Angehörigen. Doch nichts davon fand sich hier unter diesen Schnäppchen-Touristen. Im Gegenteil: Hier befand sich ein repräsentativer Querschnitt des Spektrums des gemeinen Pauschalreisenden. Für jeden Sozialforscher wäre diese Kreuzfahrt ein Kleinod gewesen.

Prüfend ging er seine mentale Liste der Schiffsgäste durch und versuchte, vielleicht doch das mögliche Opfer identifizieren zu können.

Als Erster fiel ihm der „Schwätzer“ ein. Ein etwa 65-jähriger Kerl mit Halbglatze, schwabbeligem Schmierbauch und übersteigertem Ego. Ständig rückte er irgendwelchen Mitreisenden auf die Pelle und erzählte ungefragt erst, warum er neuerdings seine dämliche Mütze trug („Wisset `se, ich hadde gleich am ärschden Tag einen Sonnenschdich“), um dann nahtlos seine komplette Lebensgeschichte zum Besten zu geben, die ihn als eine Art Chimäre zwischen Rambo und Albert Einstein darstellte. Hansen fragte sich allerdings, warum der Schwätzer dann auf einer Billigkreuzfahrt herumschipperte. Vermutlich war er zu seinen besten Zeiten zweiter stellvertretender Hausmeister einer Grundschule gewesen, oder etwas in der Art. Der Schwätzer erzählte seine Heldentaten allerdings nicht nur den Mitreisenden, sondern auch jedem fliegenden Straßenhändler, was dazu führte, dass selbst diese ausgesprochen aufdringliche Spezies Ägypter entnervt von ihm abließen. Dennoch schaffte er es dank seines Mitteilungsdranges, dass die abfahrbereite Reisegruppe im Bus immer auf ihn warten musste. Dafür belohnte er die anderen Gäste beim Verlassen des Busses damit, dass er erst noch den Busfahrer mit einem langatmigen, unlustigen Witz erheiterte und so das Aussteigen um mehrere Minuten verzögerte. Alle anderen waren verständlicherweise begeistert! Diesen Kerl würde Hansen sogar kostenlos erledigen. Aber erst, wenn sein Auftrag abgeschlossen war.

Ähnlich erging es ihm mit dem Besserwisser, den er zum Tischnachbarn hatte. Vermutlich verhinderte seine geringe Körpergröße von unter Eins siebzig, dass er ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen konnte. Jedenfalls wusste er zu wirklich jedem Thema etwas zu sagen und natürlich kannte er sich überall besser aus und hatte mehr Erfahrung, als sein Gesprächspartner. Sicher hätte er auch Hansen noch einiges über die Tätigkeit als Auftragskiller erklären können.

Lediglich ein ästhetisches Problem stellte die Alte dar, die mit ihren sicher 70 Jahren noch meinte ihre hängenden Hautlappen und Altersflecken in einem Bikini präsentieren zu müssen.

Ein optischer Leckerbissen war auch der Fettwanst in seiner viel zu knappen Badehose, den seine Begleiter mit vereinten Kräften im Bedarfsfall auf der Sonnenliege wenden mussten wie einen Wal auf dem Trockenen. Zu den „Wendern“ gehörte der Beamte (vermutlich ein Finanzbeamter des mittleren Dienstes), der schon am ersten Tag im Bord-Shop des Schiffes einen scheußlichen Kaftan erstanden hatte, den er seither zu jeder Gelegenheit trug und in dem er aussah, wie ein Finanzbeamter des mittleren Dienstes im Touristenkaftan.

Geradezu stereotyp war auch die proletige Ruhrpott-Mutter mit ihrem von Zigaretten herunterhängenden rechten Mundwinkel und ihrer ebenso proletigen Tochter. Die Mutter maulte den ganzen Tag herum, fand es zu heiß, was passieren kann, wenn man im Juni eine Nilkreuzfahrt macht, beschwerte sich über alles und hatte sich darunter auf jeden Fall mehr versprochen. Wahnsinn: Für Mineralwasser zahlen und Champagner erwarten. Solche Menschen würde Hansen nie verstehen können und eigentlich wollte er das auch nicht.

Für ihn terminierungswürdig zeigte sich auch der Kegelclub aus der Oberpfälzer Provinz. Sechs Gestalten mittleren Alters und minderer Intelligenz, welche sie gerne, oft und laut zur Schau stellten. In unsäglichem Bauerndialekt, der eher an die Grunzlaute einer Schweinefarm erinnerte, als an menschliche Sprache, gaben sie zu allem ihre unqualifizierten Kommentare ab, die sie dann kollektiv auch noch lustig fanden. Natürlich waren sie die einzigen Mitteleuropäer der letzten Dekade, die es schafften, die fliegenden Händler so gekonnt über den Tisch zu ziehen, dass sie ein gutes Geschäft machten. Dabei tropfte ihnen die Dummheit nicht nur aus den Gesichtern, sondern auch aus jedem Wort, das sie von sich gaben. Dafür staffierten sie sich, quasi als Kontrastprogramm, mit den dämlichsten Kopfbedeckungen der gesamten Reisegesellschaft aus. Einzig die Tatsache, dass ihr Mitteilungsdrang zu einer ständigen Dauerberieselung führte, an die man sich gewöhnte, wie an die Geräusche der Züge, wenn man an einer Eisenbahnstrecke wohnte, machte sie letztlich halbwegs erträglich.

Natürlich gab es noch viele andere Gestalten. Wie die Mittvierzigerin z.B., die sich selbst für ihr Sonnenbad aufdringlich schminkte und dank ihrer herunterhängenden Runzelhaut doch niemandes Blickes auf sich zog. Oder der Spießer mit den weißen Socken und noch weißeren Beinen, die in hellbraunen Sandalen steckten. Die Alte mit der Lederhaut, die den ganzen Tag in der prallen Sonne lag und aussah wie ein Brathering. Die verbiesterte Enddreißigerin, die ihren Urlaub auf der Suche nach preismindernden Reisemängeln verbrachte. Der Vollbärtige, der die Bediensteten mit herablassenden Witzen überschüttete und erwartete, dass sie lachten. Die Frau mit der Unzahl von chronischen Erkrankungen und Wehwehchen, die erwartete, dass alle und jeder auf ihren bedauernswerten Zustand Rücksicht nahmen. Mr. Rotgesicht, der schon im Schatten nach akutem Herzinfarkt aussah, sich aber trotzdem in der prallen Sonne dauerhaft Bier hineinschüttete. Das ständig schlecht gelaunte Mädchen in der Pubertät, das zwar mega-cool tat, aber an den Fingernägeln kaute. Der Lehrer mit seiner betont lässigen Lederaktentasche und dem völlig versifften, durchgeschwitzten Lederhut. Und zu guter Letzt natürlich die Holländer. Eine Gruppe grölender Primaten, die sich nicht zu schade dafür waren, ihre deformierten Oberkörper nackt auch im Speiseraum zu zeigen und auf den peinlichen Schiffspartys zu „Anton aus Tirol“ in bester Ballermannmanie herumzutollen.

Zum wiederholten Mal auf dieser Reise fragte Hansen sich, was er hier eigentlich sollte.

„Willst Du denn gar nichts essen?“, riss ihn die Stimme eines kleinen Mädchens aus seinen Gedanken und er blickte in ein Paar weit aufgerissene, hellblaue Kulleraugen, die ihn zwischen blonden Ringellocken heraus anstarrten. „Du musst nämlich aufpassen, sonst hat meine Mama das Büffet leer gemampft.“

Ach ja, die beleibte Sozialpädagogin, die jedem erklärte, was für einen wichtigen Beruf sie ausübte und wie gut geraten ihre Kinder waren.

 

2.

Hansen verspürte tatsächlich Hunger. Also trottete er seufzend in den Lärm des engen Speiseraumes und blickte auf das Büffet. In Hamburg war es weitaus leichter, ägyptisches Essen zu bekommen als hier. Die Wiener Schnitzel waren bereits aufgegessen. Hansen entdeckte einen Großteil davon auf dem Teller der Sozialpädagogin. Den Fisch hatte kaum jemand angerührt und mangels Auswahl landete ein weißes Stück davon auf seinem Teller. Fischfilet mit Pommes, Ketchup und Wassermelone. Delikat.

„Vorzüglich“, begrüßte ihn sein zugewiesener Tischnachbar, der Besserwisser. Ein Königreich für einen Einzeltisch! „Ich habe schon gedacht, Du hast heute keinen Hunger“, fuhr er Hansens Sprachlosigkeit missachtend schmatzend fort. „Ich bin übrigens der Rüdiger, aber meine Freunde nennen mich Rüdi. Und wie heißt Du?“

„Hansen.“

„Das ist aber ein komischer Vorname“, skandierte der Besserwisser und ging nahtlos in eine populärwissenschaftliche Abhandlung über die Angemessenheit von Leistung und Gegenleistung dieser Reise über. Hansen hörte nicht zu, konnte aber nicht vermeiden, die Lobhudelung über das „hervorragende Essen“ ebenso mitzubekommen wie die sachte vorgetragene Beschwerde darüber, dass der Reiseleiter „einen Tick zu viel“ an geschichtlichen Fakten erzählte. Nun ja, das war für Hansen eigentlich das Beste an der ganzen Reise.

Der Schwätzer rempelte an Hansens Stuhl, was bis auf das verschüttete Bier eigentlich nicht so schlimm war. Allerdings war Hansen schon etwas pikiert, dass der rücksichtslose Kerl sich noch nicht einmal entschuldigte. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellte, denn die Frau des Schwätzers hatte den Vorfall beobachtet. Schon kam er mit entschuldigender Miene zurück, erklärte wortreich irgendetwas von einem „Aussetzer aufgrund meines Sonnenstichs, deswegen trage ich jetzt immer meine Mütze“ und lud – was definitiv das Schlimmste war – Hansen zu „Wiedergutmachung“ auf ein gemeinsames Bier für später am Abend in die Bar ein. Ein Ort, den er mit Sicherheit meiden würde.

Dank des verschütteten Bieres war seine Hose nass geworden, eine gute Ausrede, um den Tisch zu verlassen und seine Kabine aufzusuchen.

Er stellte die Klimaanlage auf volle Leistung und legte sich erleichtert aufs Bett.

Noch immer war er sich nicht sicher, wie er sein künftiges Opfer ins Jenseits befördern würde, denn er wusste ja noch nicht einmal, wer es war. Seine bevorzugte Waffe, das Scharfschützengewehr, hatte er ebenso zu Hause lassen müssen wie seine Magnum mit Schalldämpfer. Beides wären vielleicht an Bord eines Touristendampfers auch nicht die richtigen Waffen. Sein Keramikmesser hatte er zwar im Koffer versteckt, aber auch so eine High-Tech-Waffe war hier fehl am Platz. Vermutlich würde er den Brieföffner aus Kamelknochen verwenden, den er in einem der Touristenbasare, die sich am Ausgang jeder Sehenswürdigkeit befanden, verwenden. Nicht scharf, aber spitz und schmal. Hansen kannte die menschliche Anatomie gut genug, um die ungewöhnliche Waffe zielsicher zwischen den Rippen hindurch ins Herz des Delinquenten zu stoßen. Eine Waffe mit den Fingerabdrücken und der DNA des ägyptischen Straßenhändlers, der es auf Hansen Wunsch hin, säuberlich in eine Plastiktüte gewickelt hatte. Das funktionierte jedoch nur, wenn er seinen Auftrag an Land erledigen konnte. Auf dem Schiff gab es schließlich keine Fluchtmöglichkeit. Ansonsten blieb nur das Gift übrig, das er in einem kleinen Arzneimittelfläschchen mit sich führte. Toxikologisch praktisch nicht nachweisbar führte es etwa zwei bis drei Tage nach Verabreichung zu einer Verklumpung des Blutes und letztlich zu multiplem Organversagen. Zumindest behauptetet das sein Kontaktmann in Luxor, ein bestechlicher Beamter des ägyptischen Geheimdienstes, der ihm das Fläschchen bei der Passkontrolle hatte überbringen lassen.

 

3.

Es war der sechste Tag an Bord und ausnahmsweise fuhr das Schiff einmal. Der Fahrtwind machte die Hitze erträglich und praktisch alle Reisenden schlugen sich auf dem Sonnendeck um einen Platz im Schatten. Die deutschen Touristen hatten sich in aller Früh „ihre“ Liegen mit Handtüchern reserviert, was zu Missmut bei den anderen Gästen führte. Hansen hatte gerade noch einen schattigen Platz an einem Tisch ergattert und saß nun bei einem deutschen Ehepaar und ihrer 18-jährigen Tochter. Die drei waren Hansen bisher nicht weiter aufgefallen. Zu seinem Erstaunen entwickelte sich recht schnell ein durchaus angenehmes Gespräch in dessen Verlauf er feststellte, dass sie die anderen Mitreisenden ähnlich einschätzten wir er selbst.

Die Frau war im sozialen Bereich tätig, aber Gott sei Dank keine Sozialpädagogin, der Mann war Anwalt. Sollte er vielleicht das Opfer sein? Hansen hatte schon mehrere seiner Berufskollegen liquidiert. Verstohlen blickte er auf sein Handy. Immer noch kein Bild. Nun ja, es würde kommen, wie es kommen musste und auch wenn er Kurt, den Anwalt, mochte, er würde seinen Job erledigen. Immerhin war er Profi. Außerdem: Das Gift würde hier in Ägypten seine Wirkung ohnehin nicht mehr entfalten können. Übermorgen traten sie die Heimreise an. Der Tod würde also erst zu Hause eintreten.

„Also, wenn Sie möchten, Herr Hansen, dann können Sie die verbleibenden Mahlzeiten an Bord an unserem Tisch einnehmen. Bei uns ist noch ein Platz frei.“, erbot Kurt und Hansen nahm dankend an.

 

4.

Es war der letzte Tag an Bord. Hansen war nach dem Abendessen in seine Kabine gegangen, um sein Handy zu überprüfen. Langsam wurde er nervös. Die Zeit wurde knapp und er hasste es, auf den letzten Drücker arbeiten zu müssen.

Er schaltete das Handy ein und war wieder einmal erstaunt, wie gut der Connect hier war, besser als in vielen Ecken Hamburgs. Das Betreiberlogo erschien und eine Mitteilung, dass eine Nachricht zum Download bereitstand. Er lud die Nachricht herunter. Ein Text erschien: „Leben Sie wohl, Hansen“ und ein Bild. Seines! Aufgenommen auf dem Sonnendeck des Schiffes.

Zitternd ließ er das Handy fallen. Er selbst war also das Opfer! Und sein Mörder war hier an Bord! Hektisch schnappte er sich sein Keramikmesser, das Giftfläschchen und den Brieföffner. So leicht würden sie ihn nicht bekommen! Er war Hansen. Ein Profikiller. Seit fast zwanzig Jahren im Geschäft! Und er würde sich nicht verstecken, nicht vor ihnen kriechen. Zurück zu Hause würde er herausbekommen, wer hinter dieser Sache steckte und der Kerl würde den Tag verfluchen, an dem er geboren wurde!

Aber erst musste er den Mörder finden und unschädlich machen. Das Foto! Hansen betrachtete es genauer. Es war mit einem Handy aufgenommen worden, doch er konnte sich an niemanden erinnern, der mit einem Handy in seine Richtung gezeigt hatte. Das wäre ihm aufgefallen, denn er war immer peinlichst darauf bedacht, nicht fotografiert zu werden. Vielleicht doch ein Fotoapparat? Mit Zoomobjektiv, irgendwo vom Land aus? Und dann das Bild nachträglich verschlechtert, um ihn an der Nase herumzuführen? Ein perfider Plan. Aber nicht mit ihm!

Er überprüfte den unauffälligen Sitz seiner Waffen, ob der Verschluss des Fläschchens festsaß, und ging auf das Sonnendeck.

Er verbrachte den Abend mit dem Anwalt und seiner Familie. Doch nichts passierte. Er achtete darauf, dass der Kellner seine Bierdose am Tisch öffnete und ließ sie nicht mehr aus den Augen, bis sie leer war. Bier in geringen Mengen beruhigte ihn, ohne seine Aufmerksamkeit einzuschränken. Er beobachtete ständig die Umgebung, doch niemand schlich sich an. Er lachte über Kurts Witze, obwohl er nur mit halbem Ohr zuhörte. Und trotzdem schaffte er es, den Abend mit der Familie zu genießen. Vielleicht würde er sich doch auch selbst eine Familie anschaffen, wenn das hier vorbei war.

Kurz vor Mitternacht ging die Tochter ins Bett. „Es ist schon zu spät“, sagte sie und ging. Kurz darauf löste sich die Runde auf.

Hansen tat die ganze Nacht kein Auge zu, doch weder auf dem Schiff, noch auf dem Flughafen oder im Flugzeug passierte etwas.

 

5.

Zu Hause angekommen fuhr er seinen Computer hoch. Er musste herausfinden, was die Sache zu bedeuten hatte. Und das schnell.

Plötzlich verspürte er einen Krampf im Bauch. Die ganze Fahrt über war er von Diarrhö verschont geblieben und jetzt sollte sie ihn erwischen?

Sein Handy klingelte.

„Hallo“, meldete er sich während ein Krampf seine Stimme zum Beben brachte.

„Hallo Hansen“, erklang die Stimme einer jungen Frau. „Kurts Tochter hier. Ich habe Ihnen doch schon gestern Abend gesagt, dass es zu spät ist. Schauen Sie doch einmal in Ihr Arzneifläschchen. Vielen Dank übrigens, dass Sie mir Ihren Job überlassen. Einen schönen Tod wünsche ich.“

Sie hatte aufgelegt.

Jetzt kam es hoch. Das Mädchen hatte mit ihrem Handy gespielt, sie hatte ihm am Tisch eingeschenkt.

Mit letzter Kraft schleppte Hansen sich ins Bad und goss das Fläschchen aus. Klares Wasser, statt gelblicher Flüssigkeit.

Was hatte sein Kontaktmann in Ägypten gesagt? „Absolut tödlich. Und keine Gegenmittel. Versichere ich, mein Freund!“

 

Ende

 

Max Cooper

 

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